Jahr: 2017

Wiedersehen macht Freude

Johannesevangelium 16,16-23 Als ich den Predigttext gelesen habe, in dem Jesus von seinem Abschied spricht, musste ich an einen Slogan denken, der immer mal wieder zu hören ist. Sie kennen ihn bestimmt auch: „Wiedersehen macht Freude.“ Wenn ich an einen Freund ein Buch verleihe, liegt mir dieser Spruch auf den Lippen, aber ich verkneife es mir dann ihn auch auszusprechen, denn in diesem Zusammenhang klingt er doch ein wenig ironisch, wenn nicht sarkastisch, denn ich bringe damit zum Ausdruck, dass ich meinem „Freund“ wohl nicht so ganz traue, und an seiner Zuverlässigkeit zweifle.

Auf der Durchreise

Ein junger Mann reiste durch Polen und besuchte einen Rabbi, der für seine große Weisheit berühmt war. Dieser Rabbi lebte in einer bescheidenen Hütte, die nur aus einem einzigen Raum bestand. Außer vielen Büchern, einem Tisch und einer Bank besaß er keine weiteren Möbel. Der junge Mann fragte: „Sagen Sie Rabbi, wo sind denn ihre Möbel?“ „Wo sind denn ihre?“ fragte der Rabbi zurück. „Meine?“ fragte der junge Mann überrascht. „Aber, ich bin doch nur auf der Durchreise!“ „Ich auch,“ antwortete der Rabbi „ich auch.“ jüdische Legende

Luthers theologische Einsicht

Unterdessen war ich in diesem Jahre von neuem daran gegangen, den Psalter auszulegen.21 Ich vertraute darauf, geübter zu sein, nachdem ich die Briefe des Paulus an die Römer,an die Galater und an die Hebräer in Vorlesungen behandelt hatte. Mit außerordentlicher Leidenschaft war ich davon besessen, Paulus im Brief an die Römer kennenzulernen. Nicht die Herzenskälte, sondern ein einziges Wort im ersten Kapitel (V. 17) war mir bisher dabei im Wege: »Die Gerechtigkeit Gottes wird darin (im Evangelium) offenbart.« Ich hasste nämlich dieses Wort »Gerechtigkeit Gottes«, weil ich durch den Brauch und die Gewohnheit aller Lehrer unterwiesen war, es philosophisch von der formalen oder aktiven Gerechtigkeit (wie sie es nennen) zu verstehen, nach welcher Gott gerecht ist und die Sünder und Ungerechten straft. Ich konnte den gerechten, die Sünder strafenden Gott nicht lieben, im Gegenteil, ich hasste ihn sogar. Wenn ich auch als Mönch untadelig lebte, fühlte ich mich vor Gott doch als Sünder, und mein Gewissen quälte mich sehr. Ich wagte nicht zu hoffen, dass ich Gott durch meine Genugtuung versöhnen könnte. Und wenn ich …

In den Himmel kommen

An Christi Himmelfahrt, erinnern wir uns daran, wie Christus in den Himmel aufgenommen wurde. Im Glaubensbekenntnis heißt es entsprechend: „aufgefahren in den Himmel.“ Aber das ist noch nicht alles. Nach dem „aufgefahren in den Himmel,“ heißt es weiter: „Er sitzt zur Rechten Gottes, des Allmächtigen Vaters“, und „von dort wird er kommen, zu richten die Lebenden und die Toten.“ Damit wäre dann auch die Frage beantwortet, was Christus im Himmel macht und warum wir uns in unseren Gebeten auch immer an den Himmel wenden. Weil wir nämlich in unserem Glauben darauf hoffen, einen Weg in den Himmel gebahnt zu bekommen. Wenn man darüber nachdenkt, dann ist der Himmel in vielen Religionen so etwas wie eine Alternative zur normalen sichtbaren Wirklichkeit. In dem Online-Lexikon Wikipedia heißt es: „Himmel ist in vielen Religionen eine Sphäre, die alternativ zur empirischen Wirklichkeit übernatürliche Wesen, Erscheinungen oder Götter beheimatet. Außerdem kann dies ein Ort sein, an dem das jenseitige Leben gelebt wird und an dem die Götter oder der Gott ihre Heimat haben.“ Das trifft sich mit unseren Vorstellungen von …

Eine Maus in der Suppe

Maus in der Suppe Für die Mönche bietet das gemeinsame Mittagessen eine gute Möglichkeit für die tägliche Schulung in Aufmerksamkeit. So steht in der Regel des Heiligen Benedikt, dass man nie selber um etwas bittet, sondern immer darauf zu achten hat, was ein Nachbar braucht. Dass diese Regel nicht nur das Mitgefühl schult, sondern manchmal auch den Verstand, zeigt folgende Geschichte. Ein Mönch isst seine Suppe und sieht, dass eine Maus in seinen Napf gefallen ist. Was soll er tun? Er soll ja auf die Bedürfnisse seines Nachbarn und nicht auf seine eigenen achten. So behilft er sich damit, den bedienenden Mönch zu rufen und ihn darauf hinzuweisen: „Mein Nachbar hat keine Maus bekommen.“ Bruder Staub Für Bruder David ist selbst das Abstauben seiner wenigen Möbel in der Einsiedelei ein liebkosendes Berühren. Die jungen Mönche im Kloster, erzählt er, die mit dem Saubermachen beauftragt wurden, wollten das praktisch, schnell und gründlich hinter sich bringen. „So geht das nicht. Wenn ihr den Besen in der Hand habt, soll die Hand zum Staub sagen: Verzeih, aber du …

Sieben Weltwunder

DIE SIEBEN WELTWUNDER Eine Schulklasse wurde gebeten zu notieren, welches für sie die Sieben Weltwunder wären. Folgende Rangliste kam zustande: Pyramiden von Gizeh Taj Mahal Grand Canyon Panamakanal Empire State Building Peters Dom im Vatikan Grosse Mauer China Die Lehrerin merkte beim Einsammeln der Resultate, dass eine Schülerin noch am Arbeiten war. Deshalb fragte sie die junge Frau, ob sie Probleme mit ihrer Liste hätte. Sie antwortete: „Ja. Ich konnte meine Entscheidung nicht ganz treffen. Es gibt so viele Wunder.“ Die Lehrerin sagte: „Nun, teilen Sie uns das mit, was Sie bisher haben und vielleicht können wir ja helfen.“ Die junge Frau zögerte zuerst und las dann vor. „Für mich sind das die Sieben Weltwunder: Sehen Hören sich Berühren Riechen Fühlen Lachen … … und Lieben Im Zimmer wurde es ganz still. Diese alltäglichen Dinge, die wir als selbstverständlich betrachten und oft gar nicht realisieren, sind wirklich wunderbar. Die kostbarsten Sachen im Leben sind jene, die nicht gekauft und nicht hergestellt werden können.

Die drei Siebe

DIE DREI SIEBE Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte: „Höre Sokrates, das muss ich dir erzählen!“ „Halte ein!“ – unterbrach ihn der Weise, „Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe?“, frage der andere voller Verwunderung. „Ja guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen und…“ “ So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst gut?“ Zögernd sagte der andere: „Nein, im Gegenteil…“ „Hm…“, unterbracht ihn der Weise, „So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?“ „Notwendig nun gerade nicht…“ „Also“ sagte lächelnd der Weise, „wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.“

Zuerst die großen Steine

WAS SIND DIE WICHTIGEN DINGE IN DEINEM LEBEN?   Eines Tages hält ein Zeitmanagementexperte einen Vortrag vor einer Gruppe Studenten, die Wirtschaft studieren. Er möchte ihnen einen wichtigen Punkt vermitteln mit Hilfe einer Vorstellung, die sie nicht vergessen sollen. Als er vor der Gruppe dieser qualifizierten angehenden Wirtschaftsbosse steht, sagt er: „Okay, Zeit für ein Rätsel“. Er nimmt einen leeren 5-Liter Wasserkrug mit einer sehr großen Öffnung und stellt ihn auf den Tisch vor sich. Dann legt er ca. zwölf faustgroße Steine vorsichtig einzeln in den Wasserkrug. Als er den Wasserkrug mit den Steinen bis oben gefüllt hat und kein Platz mehr für einen weiteren Stein ist, fragt er, ob der Krug jetzt voll ist. Alle sagen: „Ja“. Er fragt: „Wirklich?“ Er greift unter den Tisch und holt einen Eimer mit Kieselsteinen hervor. Einige hiervon kippt er in den Wasserkrug und schüttelt diesen, sodass sich die Kieselsteine in die Lücken zwischen den großen Steinen setzen. Er fragt die Gruppe erneut: „Ist der Krug nun voll?“ Jetzt hat die Klasse ihn verstanden und einer antwortet: „Wahrscheinlich …

Der Mensch

Der Mensch Matthias Claudius 1783 Empfangen und genähret Vom Weibe wunderbar, Kömmt er und sieht und höret Und nimmt des Trugs nicht wahr; Gelüstet und begehret, Und bringt sein Tränlein dar; Verachtet und verehret, Hat Freude und Gefahr; Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret, Hält nichts und alles wahr; Erbauet und zerstöret, Und quält sich immerdar; Schläft, wachet, wächst und zehret; Trägt braun und graues Haar etc. Und alles dieses währet, Wenn’s hoch kommt, achtzig Jahr. Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder, Und er kömmt nimmer wieder.

Schlüssel zum Paradies

Liebe Gemeinde, vielleicht erinnern sie sich noch, früher wurde oft die Tür zum Wohnzimmer, in dem der Weihnachtsbaum stand, zugeschlossen, so dass den Kindern nichts anders übrigblieb, als zu warten bis das Glöckchen ertönte, und sie endlich eintreten konnten. Das geschah dann am Heiligen Abend, so wie vielleicht heute Abend auch hier bei uns. Wer es nicht abwarten konnte, und wer konnte das schon, erheischte vielleicht schon vorher einen Blick durchs Schlüsselloch, und wenn da dann schon Licht hindurch strömte, steigerte das nur die Spannung und verhieß Wunderbares. Wie gesagt früher wurde, dieser Brauch regelmäßig praktiziert, nicht um die Kindern auf die Folter zu spannen, sondern um die Erwartung lebendig zu halten, und um die Vorfreude zu steigern, die ja bekanntlich am größten ist, und auf diese Weise auch genährt werden will. Ich habe heute in der Erinnerung an diesen Brauch, einen Schlüssel mitgebracht. Damit kann man eine Tür genauso zuschließen, wie aufschließen. Die Haustür, um die Kälte auszusperren, oder um Freunde einzulassen, gar Fremde, wie in Bethlehem Maria und Josef willkommen zu heißen. Man …