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Gedanken zur Volkskirche

Gedanken zur Volkskirche

  • Als Pfarrer möchte ich im volkskirchlichen Sinne die christliche Tradition im öffentlichen Leben gestalten und repräsentieren. Sie ist für mich eine wichtige Dimension des öffentlichen Lebens, denn sie trägt zur Kultivierung der Welt bei. In der Kirche finden sich Menschen zusammen, die bestimmte Werte und Traditionen bewahren, weitergeben und pflegen wollen, so ähnlich wie in einem Verein. Als Pfarrer ist es in diesem Zusammenhang meine Aufgabe für spirituelle Vergewisserung zu sorgen und für Menschen aus allen gesellschaftlichen Bezügen offen zu sein.
  • Zur meiner Vorstellung von Volkskirche gehört es, dass sich Menschen zur Vertiefung des Glaubens oder für soziale und kulturelle Aufgaben in Gruppen und Kreise zusammenschließen, um auf diese Weise ihre jeweiligen Interessen zu verfolgen. Das bedeutet aber nicht umgekehrt, dass wir für alle Gruppen der Bevölkerung geeignete Gruppen und Kreise anbieten müssen und können. Gemeinde entsteht nicht nur im Rückzug auf sich selbst und das was wir Kerngemeinde nennen, sondern eben auch in der Hinwendung und Beteiligung am weltlichen Leben, in das wir unsere religiösen und ethischen Glaubensvorstellungen einbringen können.
  • In der Volkskirche ist das ganz normale Leben mit seinen Höhen und Tiefen der Ort religiöser Erfahrung. Ich sehe es als meine Aufgabe, diese religiösen Erfahrungen zu deuten, in Gottesdiensten und Riten zu vergewissern und in den gesellschaftlichen Herausforderungen zur Sprache zu bringen. Dass es dabei auch zu Konflikten kommen kann, liegt in der Natur der Sache. Zu bedenken ist dabei allerdings, dass wir auch als Kirche nicht über den Konflikten stehen, sondern als religiöse Dimension der Gesellschaft, auch an allem Anteil haben.
  • In einer volkskirchlichen Gemeinde möchte ich dazu beitragen, dass religiöse Bedürfnisse und Erfahrungen, befriedigt werden können. Religion soll als stimmig und angemessen erlebt werden, gegenüber anderen weltanschaulichen Angeboten. Sie ist nicht heilsnotwenig, aber eine Bereicherung des Lebens.
  • Im Volkskirchlichen Kontext erscheint Gott als Schöpfer und Richter (gerecht und barmherzig) der Welt. Gott gilt als überall präsente Dimension der Wirklichkeit, als Tiefe des Seins. Die Welt in ihrer Ambivalenz ist der Ort der Gottesbegegnung, die ebenso gesegnet ist, wie gefährdet. In dieser Widersprüchlichkeit erfahren Menschen Gott als „simul iusti et peccatores.“ Volkskirchliche Orientierung setzt den generellen Glauben voraus dass das Leben auf der Welt trotz allem gut ist. Erst dadurch erscheint die Welt dann eben auch als reformierbar und segensreich. Aller Anfang ist der Glaube, dass wir nicht von Gott verlassen sind.

„In meinem Beruf als Pfarrer möchte ich das Evangelium als Verheißung der Güte Gottes, verkünden, so dass erfahrbar wird, wovon wir träumen, was wir glauben und was wir hoffen. Das heißt für mich tröstend, ermutigend und auf verlässliche Weise offen zu sein für Gott und die Menschen.“