Predigten

Salbung in Bethanien, Luxus und Verschwendung

Predigt über Markus 14,3-9

Der Vorwurf, der in unserer Geschichte erhoben wird, dürfte uns geläufig sein. Meistens nehmen wir ihn in verschiedenen Variationen zur Kenntnis. Sei es, dass wir zustimmen, wenn es heißt: „was soll diese Verschwendung, es wäre doch auch billiger gegangen, oder auch, was hätte man mit diesem Geld alles anfangen können, oder was hätte ich damit alles tun können. Verschwendung wird zurecht kritisiert, und oft weiß man auch von Alternativen, in denen das Geld besser angelegt wäre.

Wenn ich darüber nachdenke kommen mir aber auch Gedanken in den Sinn, die um das Verhältnis von Nutzen und Verschwendung kreisen, um Luxus und das zum Leben notwendige. Überlegen Sie einmal, was ist Ihnen wichtig, wenn Sie z. B. ein Auto kaufen wollen, oder ein Kleid, Möbel für die Wohnung oder eine Jeans? Der Nutzen an diesen Sachen oder auch der Hauch von Luxus und Exklusivität? Wahrscheinlich doch beides. Eine Sache sollte ja nicht nur nützlich sein, sondern eben auch noch schön sein.

Ich kann mir gut vorstellen, dass man leicht unter Rechtfertigungsdruck gerät, wenn man sich für die schönere und nicht zuletzt teurere Variante einer Sache entscheidet. Dann fängt man an schwerfällig zu erklären, warum es unbedingt, dieses großräumige Auto sein musste, und nicht etwa ein vergleichbares billigeres. Man begründet das dann ausführlich und weist auf Sicherheitsaspekte hin oder erklärt es mit beruflichen oder familiären Erfordernissen. Auch wenn das alles stimmen mag, die Lust an der Sache, die man ja auch hat, tritt dabei allerdings in den Hintergrund, dabei war sie vielleicht letztlich ausschlaggebend. So geschieht es oft, dass wir unsere Lust an schönen Dingen, hinter rationalen Argumenten zu verstecken versuchen, weil Luxus in gewissen Kreisen verpönt ist.

Man hätte ja schließlich mit dem vielen Geld auch etwas Sinnvolleres leisten können. Manchmal muss man sich diese Kritik dann anhören, oder man vermutet, dass andere zumindest so denken könnten. Von mir kenne ich beides. Ich wüßte eine Menge Dinge, die schön und teuer wären und die, wenn ich sie denn hätte, mir auch wirklich Freude bereiten würden, und Gott sei Dank, habe ich auch solche Dinge, die für andere vielleicht nur Zeichen meiner Eitelkeit wären, mich aber immer wieder auf’s Neue erfreuen.

Andererseits denke ich natürlich auch, warum muss man Millionen für prächtige Glasfenster ausgeben, solange Menschen unter uns noch kein Obdach haben.

Oder wenn Sie an bedeutende Bauwerke unserer Geschichte denken, und nicht zuletzt an die Goldene Badewanne in Limburg, hätte man das viele Geld und das menschliche Knowhow anstelle von Schönheit und Erhabenheit nicht auch für Menschlichkeit und Barmherzigkeit einsetzen können? Oder wenn sie an unsere Kirchen denken, die vielen Renovierungen, den Kauf einer neuen Orgel, von neuen Glasfenstern, und das in einer Zeit, in der es bestimmt wichtigeres zu tun gäbe, und das Geld knapp ist.

Sie merken man kann darüber lange diskutieren. Der eine mag bald hier und die andere bald dort ihren Schwerpunkt setzen, einmal dem Nutzen das Wort reden, dann wieder der Schönheit. Im Markusevangelium haben zunächst die Nutzenverfechter das Wort. Für sie ist es Verschwendung kostbares Nardenöl zu vergeuden. Man hätte doch das duftende Öl verkaufen können, um anschließend das Geld den Armen zu geben.

Die Frau, von der wir nichts näheres erfahren, mag sich bei ihrer liebevollen handlung wahrscheinlich gar nichts besonderes gedacht haben. Ich stelle mir vor, sie hat sich überlegt, wie sie Jesus eine Freude bereiten könnte, und dafür war ihr das beste gerade gut genug. Es lag sicher in ihren Möglichkeiten teureres Salböl zu verschenken, denn sonst hätte sie es ja kaum tun können. Ich kann mir ausmalen, wie sie auf den Markt geht und nach einem Geschenk sucht, für jemanden, den sie mag und der ihr viel bedeutet und dem sie vielleicht sogar auch viel zu verdanken hat. Sie möchte Jesus etwas Gutes tun und achtet dabei nicht auf den Preis. Nicht vorstellen könnte ich mir diese namenlose Frau, wie sie mit einem Händler um den Preis feilscht oder ihn gar fragt, haben sie denn nichts billigeres? Nein darum geht es der Frau überhaupt nicht, sie möchte Jesus mit ihrer Liebe überschütten und scheut dafür keine Kosten.

Es kommt also wirklich nicht unbedingt auf den Preis an, aber auch gerade innerhalb einer bestimmten Preisspanne kann man sich doch genauso gut von Geiz oder Güte leiten lassen. Wenn wir ein Geschenk machen, lassen wir uns glaube ich auch nicht nur vom Preis leiten, sondern von der Liebe zu einem Menschen und der Aussicht diesen Menschen glücklich zu sehen. Solch ein Geschenk muss kein kostbares Nardenöl sein, Goldschmuck und dergleichen, aber meistens, ist es doch auch irgendwie überflüssig, so wie die Ledersitze im Auto oder die goldene Uhr am Handgelenk oder das teure Parfüm.

Schön an dieser Geschichte von der Salbung in Bethanien finde ich, dass Jesus sich dieses Geschenk gefallen lässt. Er lehnt es nicht ab und sucht Ausflüchte. Nein er nimmt es gerne an, weil er weiß, dass es von Herzen kommt. Es ist, wenn man so will das erste und das letzte Mal, dass Jesus etwas ganz für sich alleine bekommt, nach dem Gold zu seiner Geburt. Das zeichnet das Wunder dieses Augenblicks aus. Mit dem duftende Salböl schenkt die Frau Jesus ihrer Liebe und Dankbarkeit, und in diesem Geschenk, gibt sie sich selbst, so wie auch Jesus bereit ist sich selbst hinzugeben, aus freien Stücken und ohne Vorbehalt. In diesem Verhalten gleich sie Jesus selbst, und deshalb wird auch immer von ihr die Rede sein, wenn von der Passion und Liebe Christi erzählt wird.

Oft beklagen wir uns, oder wir hören es sagen, „es wird einem nichts geschenkt im Leben,“ doch hier wird etwas verschenkt, das Leben selbst wird verschenkt, und deshalb öffnet sich in dieser Geschichte auch der Himmel und verheißt Leben im Angesicht des Todes.

Natürlich und leider wird es weiterhin Armut geben auf der Welt, die es zu verringern gilt, keine Frage, aber da wo jemand in der Liebe zu einem Menschen oder einem Ding nicht auf die Kosten achtet, sondern auf die Freude, die es macht, kommt der Überfluss der Liebe zur Geltung und die Fülle Gottes gewinnt Gestalt.

Sie hat ein schönes, gutes Werk an mir getan, sagt Jesus, und er hätte auch noch sagen können, gönnt ihr mir das etwa nicht? Kann man Gutes tun, wenn man selber nichts Gutes empfangen kann? Was gut war, gedenkt einem ewig, heißt es… In diesem Sinne mag uns diese Frau in unserem Gedächtnis bleiben, zur Erinnerung an die Liebe und die Schönheit. Amen.