Geschichten

Sonne im September

Die sonnigen Tage des Septembers, die ich jetzt gerade erlebe, schenken mir stillen Frieden. Die Hitze des Sommers hat sich gelegt, aber der Himmel ist immer noch tief blau und vieler klarer als sonst. Es ist eine besondere Stimmung, in diesen Tagen.  Wenn ich über die Felder wandere, sehe ich die Bäume voller Äpfel hängen, rot und gelb, und violettfarbene Zwetschgen. Die Luft ist erfüllt mit herben würzigen Düften. Sie machen mich hungrig und versprechen mich zu erfrischen.

Die meisten Felder sind schon abgeerntet,

das übrig gelassene Stroh glänzt golden und bizarr in der Sonne. Im Licht des späten Sommers sieht es so aus, als sei das Wesentliche nun geschehen und die Ernte sei eingefahren. Nun hätten wir alle Zeit uns an dem zu freuen, was wir haben. „Iß und trink, und habe guten Mut,“ sagt einmal ein reicher Kornbauer zu seiner Seele, und in diesem Moment, kann ich diesen Mann gut verstehen. Er hat viel zu schaffen gehabt, auf seinen Feldern, tagaus tagein. Er hat sich Gedanken machen müssen, wie er sein Korn und seine Kartoffeln lagern kann. Nun möchte er sich zur Ruhe setzen und die Früchte seiner Arbeit auch genießen.

Ich kann an diesem Ansinnen nichts Verwerfliches finden. Wir träumen doch alle davon aus dem Vollen zu leben, und wünschen uns einen gerechten Lohn für unsere Arbeit. Wenn sich dann schließlich die Gelegenheit bietet, ist es gewiss nicht das Schlechteste, die Ernte auch zu genießen, vielleicht zum ersten Mal nach vielen Wochen der Entbehrung und anstrengender Arbeit. Oft genug leiden wir doch gerade an den mangelnden Ergebnissen unserer Arbeit, den viel zu klein geratenen Früchten und der ewig wiederkehrenden mühevollen Kleinarbeit.

“ Iß und trink, und habe guten Mut,“

wie gern würde ich in die gesättigte Lebensfreude des reichen Kornbauers einstimmen können; in die Sicherheit, die einem die gefüllten Scheunen und Vorratskeller verheißen, in das Gefühl, seine Schäfchen ins Trockene gebracht zu haben und auf der sicheren Seite zu sein. Wie schön ist es, sich an einen gedeckten Tisch zu setzen, und sich satt essen zu können, in dem Gefühl, das nichts mehr aussteht, und was getan werden musste, auch getan ist. Solche Momente sind ein Geschenk des Himmels. Sie sättigen uns auf eine Weise, die man nicht wiederholen kann. Sie stillen unseren Hunger mit der Fülle des Lebens.

Es mag trügerisch sein, sich in Sicherheit zu wiegen, als ob wir je ganz fertig werden könnten und nicht schon die nächste Aufgabe auf uns warten würde, und doch erinnert uns die Zeit der eingebrachten Ernte daran, wie es ist in Seligkeit zu schwelgen und in Dankbarkeit und Lust die Gaben des Schöpfers zu teilen und zu genießen. Dafür ist jetzt Zeit. Im September und Oktober, wenn sich Sommer und Herbst friedlich die Hände reichen.