Monate: Mai 2017

Wiedersehen macht Freude

Johannesevangelium 16,16-23 Als ich den Predigttext gelesen habe, in dem Jesus von seinem Abschied spricht, musste ich an einen Slogan denken, der immer mal wieder zu hören ist. Sie kennen ihn bestimmt auch: „Wiedersehen macht Freude.“ Wenn ich an einen Freund ein Buch verleihe, liegt mir dieser Spruch auf den Lippen, aber ich verkneife es mir dann ihn auch auszusprechen, denn in diesem Zusammenhang klingt er doch ein wenig ironisch, wenn nicht sarkastisch, denn ich bringe damit zum Ausdruck, dass ich meinem „Freund“ wohl nicht so ganz traue, und an seiner Zuverlässigkeit zweifle.

Auf der Durchreise

Ein junger Mann reiste durch Polen und besuchte einen Rabbi, der für seine große Weisheit berühmt war. Dieser Rabbi lebte in einer bescheidenen Hütte, die nur aus einem einzigen Raum bestand. Außer vielen Büchern, einem Tisch und einer Bank besaß er keine weiteren Möbel. Der junge Mann fragte: „Sagen Sie Rabbi, wo sind denn ihre Möbel?“ „Wo sind denn ihre?“ fragte der Rabbi zurück. „Meine?“ fragte der junge Mann überrascht. „Aber, ich bin doch nur auf der Durchreise!“ „Ich auch,“ antwortete der Rabbi „ich auch.“ jüdische Legende

Luthers theologische Einsicht

Unterdessen war ich in diesem Jahre von neuem daran gegangen, den Psalter auszulegen.21 Ich vertraute darauf, geübter zu sein, nachdem ich die Briefe des Paulus an die Römer,an die Galater und an die Hebräer in Vorlesungen behandelt hatte. Mit außerordentlicher Leidenschaft war ich davon besessen, Paulus im Brief an die Römer kennenzulernen. Nicht die Herzenskälte, sondern ein einziges Wort im ersten Kapitel (V. 17) war mir bisher dabei im Wege: »Die Gerechtigkeit Gottes wird darin (im Evangelium) offenbart.« Ich hasste nämlich dieses Wort »Gerechtigkeit Gottes«, weil ich durch den Brauch und die Gewohnheit aller Lehrer unterwiesen war, es philosophisch von der formalen oder aktiven Gerechtigkeit (wie sie es nennen) zu verstehen, nach welcher Gott gerecht ist und die Sünder und Ungerechten straft. Ich konnte den gerechten, die Sünder strafenden Gott nicht lieben, im Gegenteil, ich hasste ihn sogar. Wenn ich auch als Mönch untadelig lebte, fühlte ich mich vor Gott doch als Sünder, und mein Gewissen quälte mich sehr. Ich wagte nicht zu hoffen, dass ich Gott durch meine Genugtuung versöhnen könnte. Und wenn ich …