Alle Artikel in: Geschichten

Auf der Durchreise

Ein junger Mann reiste durch Polen und besuchte einen Rabbi, der für seine große Weisheit berühmt war. Dieser Rabbi lebte in einer bescheidenen Hütte, die nur aus einem einzigen Raum bestand. Außer vielen Büchern, einem Tisch und einer Bank besaß er keine weiteren Möbel. Der junge Mann fragte: „Sagen Sie Rabbi, wo sind denn ihre Möbel?“ „Wo sind denn ihre?“ fragte der Rabbi zurück. „Meine?“ fragte der junge Mann überrascht. „Aber, ich bin doch nur auf der Durchreise!“ „Ich auch,“ antwortete der Rabbi „ich auch.“ jüdische Legende

Eine Maus in der Suppe

Maus in der Suppe Für die Mönche bietet das gemeinsame Mittagessen eine gute Möglichkeit für die tägliche Schulung in Aufmerksamkeit. So steht in der Regel des Heiligen Benedikt, dass man nie selber um etwas bittet, sondern immer darauf zu achten hat, was ein Nachbar braucht. Dass diese Regel nicht nur das Mitgefühl schult, sondern manchmal auch den Verstand, zeigt folgende Geschichte. Ein Mönch isst seine Suppe und sieht, dass eine Maus in seinen Napf gefallen ist. Was soll er tun? Er soll ja auf die Bedürfnisse seines Nachbarn und nicht auf seine eigenen achten. So behilft er sich damit, den bedienenden Mönch zu rufen und ihn darauf hinzuweisen: „Mein Nachbar hat keine Maus bekommen.“ Bruder Staub Für Bruder David ist selbst das Abstauben seiner wenigen Möbel in der Einsiedelei ein liebkosendes Berühren. Die jungen Mönche im Kloster, erzählt er, die mit dem Saubermachen beauftragt wurden, wollten das praktisch, schnell und gründlich hinter sich bringen. „So geht das nicht. Wenn ihr den Besen in der Hand habt, soll die Hand zum Staub sagen: Verzeih, aber du …

Sieben Weltwunder

DIE SIEBEN WELTWUNDER Eine Schulklasse wurde gebeten zu notieren, welches für sie die Sieben Weltwunder wären. Folgende Rangliste kam zustande: Pyramiden von Gizeh Taj Mahal Grand Canyon Panamakanal Empire State Building Peters Dom im Vatikan Grosse Mauer China Die Lehrerin merkte beim Einsammeln der Resultate, dass eine Schülerin noch am Arbeiten war. Deshalb fragte sie die junge Frau, ob sie Probleme mit ihrer Liste hätte. Sie antwortete: „Ja. Ich konnte meine Entscheidung nicht ganz treffen. Es gibt so viele Wunder.“ Die Lehrerin sagte: „Nun, teilen Sie uns das mit, was Sie bisher haben und vielleicht können wir ja helfen.“ Die junge Frau zögerte zuerst und las dann vor. „Für mich sind das die Sieben Weltwunder: Sehen Hören sich Berühren Riechen Fühlen Lachen … … und Lieben Im Zimmer wurde es ganz still. Diese alltäglichen Dinge, die wir als selbstverständlich betrachten und oft gar nicht realisieren, sind wirklich wunderbar. Die kostbarsten Sachen im Leben sind jene, die nicht gekauft und nicht hergestellt werden können.

Die drei Siebe

DIE DREI SIEBE Zum weisen Sokrates kam einer gelaufen und sagte: „Höre Sokrates, das muss ich dir erzählen!“ „Halte ein!“ – unterbrach ihn der Weise, „Hast du das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe gesiebt?“ „Drei Siebe?“, frage der andere voller Verwunderung. „Ja guter Freund! Lass sehen, ob das, was du mir sagen willst, durch die drei Siebe hindurchgeht: Das erste ist die Wahrheit. Hast du alles, was du mir erzählen willst, geprüft, ob es wahr ist?“ „Nein, ich hörte es erzählen und…“ “ So, so! Aber sicher hast du es im zweiten Sieb geprüft. Es ist das Sieb der Güte. Ist das, was du mir erzählen willst gut?“ Zögernd sagte der andere: „Nein, im Gegenteil…“ „Hm…“, unterbracht ihn der Weise, „So lass uns auch das dritte Sieb noch anwenden. Ist es notwendig, dass du mir das erzählst?“ „Notwendig nun gerade nicht…“ „Also“ sagte lächelnd der Weise, „wenn es weder wahr noch gut noch notwendig ist, so lass es begraben sein und belaste dich und mich nicht damit.“

Zuerst die großen Steine

WAS SIND DIE WICHTIGEN DINGE IN DEINEM LEBEN?   Eines Tages hält ein Zeitmanagementexperte einen Vortrag vor einer Gruppe Studenten, die Wirtschaft studieren. Er möchte ihnen einen wichtigen Punkt vermitteln mit Hilfe einer Vorstellung, die sie nicht vergessen sollen. Als er vor der Gruppe dieser qualifizierten angehenden Wirtschaftsbosse steht, sagt er: „Okay, Zeit für ein Rätsel“. Er nimmt einen leeren 5-Liter Wasserkrug mit einer sehr großen Öffnung und stellt ihn auf den Tisch vor sich. Dann legt er ca. zwölf faustgroße Steine vorsichtig einzeln in den Wasserkrug. Als er den Wasserkrug mit den Steinen bis oben gefüllt hat und kein Platz mehr für einen weiteren Stein ist, fragt er, ob der Krug jetzt voll ist. Alle sagen: „Ja“. Er fragt: „Wirklich?“ Er greift unter den Tisch und holt einen Eimer mit Kieselsteinen hervor. Einige hiervon kippt er in den Wasserkrug und schüttelt diesen, sodass sich die Kieselsteine in die Lücken zwischen den großen Steinen setzen. Er fragt die Gruppe erneut: „Ist der Krug nun voll?“ Jetzt hat die Klasse ihn verstanden und einer antwortet: „Wahrscheinlich …

Der Mensch

Der Mensch Matthias Claudius 1783 Empfangen und genähret Vom Weibe wunderbar, Kömmt er und sieht und höret Und nimmt des Trugs nicht wahr; Gelüstet und begehret, Und bringt sein Tränlein dar; Verachtet und verehret, Hat Freude und Gefahr; Glaubt, zweifelt, wähnt und lehret, Hält nichts und alles wahr; Erbauet und zerstöret, Und quält sich immerdar; Schläft, wachet, wächst und zehret; Trägt braun und graues Haar etc. Und alles dieses währet, Wenn’s hoch kommt, achtzig Jahr. Dann legt er sich zu seinen Vätern nieder, Und er kömmt nimmer wieder.

Sonne im September

Die sonnigen Tage des Septembers, die ich jetzt gerade erlebe, schenken mir stillen Frieden. Die Hitze des Sommers hat sich gelegt, aber der Himmel ist immer noch tief blau und vieler klarer als sonst. Es ist eine besondere Stimmung, in diesen Tagen.  Wenn ich über die Felder wandere, sehe ich die Bäume voller Äpfel hängen, rot und gelb, und violettfarbene Zwetschgen. Die Luft ist erfüllt mit herben würzigen Düften. Sie machen mich hungrig und versprechen mich zu erfrischen. Die meisten Felder sind schon abgeerntet, das übrig gelassene Stroh glänzt golden und bizarr in der Sonne. Im Licht des späten Sommers sieht es so aus, als sei das Wesentliche nun geschehen und die Ernte sei eingefahren. Nun hätten wir alle Zeit uns an dem zu freuen, was wir haben. „Iß und trink, und habe guten Mut,“ sagt einmal ein reicher Kornbauer zu seiner Seele, und in diesem Moment, kann ich diesen Mann gut verstehen. Er hat viel zu schaffen gehabt, auf seinen Feldern, tagaus tagein. Er hat sich Gedanken machen müssen, wie er sein Korn und …

Abenteuergeschichten

Viele Abenteuergeschichten beginnen im Herbst. Als ob wir uns mit den kürzer werdenden Tagen auf die Reise begeben müssten, so wie die Helden in unseren Abenteuergeschichten. Die Beständigkeit des Wetters lässt nach, es regnet viel, die Wege weichen auf. Wir müssen uns sputen fort zu kommen, denn wer nicht rechtzeitig aufbricht, bleibt zurück. Gandalf und Frodo und wie sie alle heißen mögen, folgen den unmissverständlichen Zeichen der Zeit und sie wissen, dass sie gehen müssen, auch wenn das Ziel noch im Dunkel liegt. Mir geht es oft genauso. Immer wenn der Herbst anbricht und die Nächte kühl werden, die Tage regnerisch, weiß ich, dass der Sommer jetzt wirklich vorbei ist und mehr noch, ich spüre dass ein Lebensabschnitt vorüber gegangen ist, der sich nicht wiederholen lässt. Das Licht der Sonne fehlt mir. Wo ist ihr Glanz geblieben, ihre Wärme, die Farben des Lebens? Ich ahne, dass ich nichts festhalten kann. Ich werde mit leeren Händen dastehen, ich muss mich verabschieden, ich muss los, wie die Helden in den Geschichten, die ich so liebe. In jene …