Alle Artikel in: Predigten

Wiedersehen macht Freude

Johannesevangelium 16,16-23 Als ich den Predigttext gelesen habe, in dem Jesus von seinem Abschied spricht, musste ich an einen Slogan denken, der immer mal wieder zu hören ist. Sie kennen ihn bestimmt auch: „Wiedersehen macht Freude.“ Wenn ich an einen Freund ein Buch verleihe, liegt mir dieser Spruch auf den Lippen, aber ich verkneife es mir dann ihn auch auszusprechen, denn in diesem Zusammenhang klingt er doch ein wenig ironisch, wenn nicht sarkastisch, denn ich bringe damit zum Ausdruck, dass ich meinem „Freund“ wohl nicht so ganz traue, und an seiner Zuverlässigkeit zweifle.

Schlüssel zum Paradies

Liebe Gemeinde, vielleicht erinnern sie sich noch, früher wurde oft die Tür zum Wohnzimmer, in dem der Weihnachtsbaum stand, zugeschlossen, so dass den Kindern nichts anders übrigblieb, als zu warten bis das Glöckchen ertönte, und sie endlich eintreten konnten. Das geschah dann am Heiligen Abend, so wie vielleicht heute Abend auch hier bei uns. Wer es nicht abwarten konnte, und wer konnte das schon, erheischte vielleicht schon vorher einen Blick durchs Schlüsselloch, und wenn da dann schon Licht hindurch strömte, steigerte das nur die Spannung und verhieß Wunderbares. Wie gesagt früher wurde, dieser Brauch regelmäßig praktiziert, nicht um die Kindern auf die Folter zu spannen, sondern um die Erwartung lebendig zu halten, und um die Vorfreude zu steigern, die ja bekanntlich am größten ist, und auf diese Weise auch genährt werden will. Ich habe heute in der Erinnerung an diesen Brauch, einen Schlüssel mitgebracht. Damit kann man eine Tür genauso zuschließen, wie aufschließen. Die Haustür, um die Kälte auszusperren, oder um Freunde einzulassen, gar Fremde, wie in Bethlehem Maria und Josef willkommen zu heißen. Man …

Mose, Geschichte eines Menschenlebens

Liebe Gemeinde, die Geschichte eines Menschenlebens ist auch immer zugleich die Geschichte eines Weges, den ein Mensch im Lauf seines Lebens zurückgelegt hat. Es ist ein Weg, der die einzelnen Stationen des Lebens miteinander verbindet, trotz mancher Umwege und Unterbrechungen. Oft ist es überraschend, den eigenen Weg in Gedanken noch einmal zu verfolgen, und dabei festzustellen, dass der eigene Weg nicht das Produkt sorgfältiger Planung gewesen ist, sondern genauso auf Zufall beruht, wie auf schicksalhafter Fügung. Denn nicht immer weiß man genau, wie man eigentlich dahin gekommen ist, wo man gerade ist. Das ist ein bisschen so wie mit dem Älterwerden, man fragt sich wo die Zeit geblieben ist, und wo die Jahre hingegangen sind. Wenn man den eigenen Lebensweg betrachtet, stellen sich ganz unweigerlich die alten Fragen der Religionen, woher komme ich, wohin gehe ich, wer bin ich, und was erwartet mich? Es gilt die Höhen und Tiefen des Lebens in Augenschein zu nehmen, und dann wer weiß einen roten Faden zu finden, etwas, das alles zusammen hält und am Ende, die Frage beantwortet, …

Sinkender Petrus

Liebe Gemeinde, in einer alten Geschichte haben Menschen von ihren Erfahrungen berichtet, die sie in einer bedrohlichen Situation, gemacht haben. Es ist sicher nicht alles immer auf uns und unsere heutige Lebenssituation übertragbar, aber ich glaube doch, dass uns die Erfahrungen aus der Vergangenheit dabei helfen können, angesichts heutiger Bedrohungszenarien zu bestehen und dabei den Mut nicht zu verlieren. Vielleicht können sie uns sogar helfen, Mut zu fassen und einen neuen Weg zu finden. Jede Erschütterung, jedes Erschrecken versetzt uns ja nicht nur in Angst, sondern es bewegt uns auch, und bietet die Möglichkeit etwas zu verändern. Dafür steht auch die Geschichte von dem sinkenden Petrus, aus dem Matthäusevangelium. Sie erzählt von einer Krise und von einem Unwetter, von Angst und Erschrecken einerseits, wie von Mut und Tapferkeit andererseits. Und in dem Jünger Petrus führt sie uns einen Menschen zwischen Vertrauen und Zweifel vor Augen, einer der mutig vorangeht, aber der auch schnell wieder an Boden verliert und einbricht. Ich möchte Ihnen die Geschichte in einer freien Nacherzählung vortragen. Jesus hatte ein Wunder vollbracht. Die …

Trauerarbeit am Karfreitag

Heute wird wieder die Geschichte von der Kreuzigung Jesu erzählt. Wir erfahren, wie das war, als Jesus sein Kreuz auf sich nehmen musste, und dann starb. Es war schrecklich. Nicht nur ein Tod, sondern sogar eine Hinrichtung, und wenn man so will eine Art Mord. Wir fragen uns sicher, wie es dazu kommen konnte, und versuchen die Gründe dafür zu finden. Ich nehme an, die Menschen damals, die Jünger Jesu aber auch all die anderen, denen Jesus begegnet war, machten sich Gedanken und legten sich zurecht, was passiert war, und wie es soweit kommen konnte. Das ist ja immer so, wenn ein Mensch stirbt, dann fragen wir uns, warum das geschieht, und ob es nicht schon vorher irgendwelche Anzeichen dafür gegeben hat, die wir einfach ignoriert haben. Manchmal entdecken wir dann im Nachhinein irgendwelche Zeichen, die auf eine Krankheit hinweisen, oder Worte, die wir erst zu spät verstehen konnten. So ähnlich ist es auch mit der Geschichte von der Kreuzigung Jesu. Erst im Nachhinein haben die Menschen sie verarbeiten können. Sie haben versucht den Tod …

Eine milde Gabe

Predigt über Markus 12,41-44 Unsere Geschichte spielt im Jerusalemer Tempel. Jesus hatte dort gelehrt und mit den Menschen disputiert. Nun ruht er sich aus. Sein Blick fällt auf die 13 Opferkästen. Was die Menschen dort hineinlegen, dient zur Erhaltung des Tempels. Und da der Tempel letztlich das Haus Gottes auf Erden ist, ist jedes Opfer eine Wohltat an Gott selbst. Ich kann mir gut vorstellen, wie Jesus dort auf einer Mauer gelehnt saß, und dem lebendigen Treiben der Leute zuschaute. Ab und zu, gaben die Priester feierlich den Betrag einer größeren Summe bekannt, die einer, großzügig wie er war, gespendet hat. Das ließ die Menge für einen Moment aufhorchen. Das mag wohl dem einen oder anderen als Vorbild für die eigene Spendenpraxis gedient haben. Wenn man sich die Leute so ansieht, und das tun wir gerade in unseren Gedanken, dann liegt es nahe von der äußeren Erscheinung der Menschen auf die Höhe ihrer Gaben zu schließen, selbst wenn man damit manchmal ziemlich daneben lieben kann. Aber im Großen und Ganzen kann man wohl davon ausgehen, dass …

Salbung in Bethanien, Luxus und Verschwendung

Predigt über Markus 14,3-9 Der Vorwurf, der in unserer Geschichte erhoben wird, dürfte uns geläufig sein. Meistens nehmen wir ihn in verschiedenen Variationen zur Kenntnis. Sei es, dass wir zustimmen, wenn es heißt: „was soll diese Verschwendung, es wäre doch auch billiger gegangen, oder auch, was hätte man mit diesem Geld alles anfangen können, oder was hätte ich damit alles tun können. Verschwendung wird zurecht kritisiert, und oft weiß man auch von Alternativen, in denen das Geld besser angelegt wäre. Wenn ich darüber nachdenke kommen mir aber auch Gedanken in den Sinn, die um das Verhältnis von Nutzen und Verschwendung kreisen, um Luxus und das zum Leben notwendige. Überlegen Sie einmal, was ist Ihnen wichtig, wenn Sie z. B. ein Auto kaufen wollen, oder ein Kleid, Möbel für die Wohnung oder eine Jeans? Der Nutzen an diesen Sachen oder auch der Hauch von Luxus und Exklusivität? Wahrscheinlich doch beides. Eine Sache sollte ja nicht nur nützlich sein, sondern eben auch noch schön sein. Ich kann mir gut vorstellen, dass man leicht unter Rechtfertigungsdruck gerät, wenn man …