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Luthers theologische Einsicht

Unterdessen war ich in diesem Jahre von neuem daran gegangen, den Psalter auszulegen.21 Ich vertraute darauf, geübter zu sein, nachdem ich die Briefe des Paulus an die Römer,an die Galater und an die Hebräer in Vorlesungen behandelt hatte. Mit außerordentlicher Leidenschaft war ich davon besessen, Paulus im Brief an die Römer kennenzulernen. Nicht die Herzenskälte, sondern ein einziges Wort im ersten Kapitel (V. 17) war mir bisher dabei im Wege: »Die Gerechtigkeit Gottes wird darin (im Evangelium) offenbart.« Ich hasste nämlich dieses Wort »Gerechtigkeit Gottes«, weil ich durch den Brauch und die Gewohnheit aller Lehrer unterwiesen war, es philosophisch von der formalen oder aktiven Gerechtigkeit (wie sie es nennen) zu verstehen, nach welcher Gott gerecht ist und die Sünder und Ungerechten straft. Ich konnte den gerechten, die Sünder strafenden Gott nicht lieben, im Gegenteil, ich hasste ihn sogar. Wenn ich auch als Mönch untadelig lebte, fühlte ich mich vor Gott doch als Sünder, und mein Gewissen quälte mich sehr. Ich wagte nicht zu hoffen, dass ich Gott durch meine Genugtuung versöhnen könnte. Und wenn ich …

Gedanken zur Volkskirche

Gedanken zur Volkskirche Als Pfarrer möchte ich im volkskirchlichen Sinne die christliche Tradition im öffentlichen Leben gestalten und repräsentieren. Sie ist für mich eine wichtige Dimension des öffentlichen Lebens, denn sie trägt zur Kultivierung der Welt bei. In der Kirche finden sich Menschen zusammen, die bestimmte Werte und Traditionen bewahren, weitergeben und pflegen wollen, so ähnlich wie in einem Verein. Als Pfarrer ist es in diesem Zusammenhang meine Aufgabe für spirituelle Vergewisserung zu sorgen und für Menschen aus allen gesellschaftlichen Bezügen offen zu sein. Zur meiner Vorstellung von Volkskirche gehört es, dass sich Menschen zur Vertiefung des Glaubens oder für soziale und kulturelle Aufgaben in Gruppen und Kreise zusammenschließen, um auf diese Weise ihre jeweiligen Interessen zu verfolgen. Das bedeutet aber nicht umgekehrt, dass wir für alle Gruppen der Bevölkerung geeignete Gruppen und Kreise anbieten müssen und können. Gemeinde entsteht nicht nur im Rückzug auf sich selbst und das was wir Kerngemeinde nennen, sondern eben auch in der Hinwendung und Beteiligung am weltlichen Leben, in das wir unsere religiösen und ethischen Glaubensvorstellungen einbringen können. In …

Warum glaubt der Mensch?

Der Spiegel: „Warum glaubt der Mensch … und warum zweifelt er? (Ausgabe Nr. 52 / 22.12.2012, S. 113 – 123) Der Spiegel berichtet in seiner Weihnachtsausgabe von einem Wettkampf mit Kindern. „Mit Klettbällen sollten die Kindern auf eine Zielscheibe an der Wand werfen. Ein freundlicher Mann erklärte die Regeln. Dann verließ er unter einem Vorwand den Raum. Er komme gleich wieder, sagte er. Kaum war er zur Tür hinaus, klebten die Kinder ihre Bälle ein wenig vom Mittelpunkt der Zielscheibe entfernt an. Damit es nicht so auffiel. Ob die Kinder genauso geschummelt hätten, wenn ein Geist anwesend gewesen wäre? Um das herauszufinden startete Psychologe Jesse Bering ein neues Experiment. Mit einer zweiten Gruppe Kinder startete er den gleichen Wettkampf mit einem Unterschied. Eine unsichtbare Prinzessin Alice sitze hier im Raum auf einem leeren Stuhl, und sie würde alle genau beobachten. Interessant war es nun zu sehen, wie die Kinder sich unter den Augen der Prinzessin regelkonform verhielten und nach den vorgegebenen Regeln die Bälle warfen. Allerdings nicht alle. Es gab auch Zweifler. „Mit Geistern könne …

Tod und Sterben

“Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.” Über Tod und Sterben Wir alle müssen mit dem Tod leben. So paradox es klingen mag, Leben und Tod bedingen sich gegenseitig. Es gibt kein Leben ohne Tod, und keinen Tod ohne Leben. Wir kennen diesen Zusammenhang, der Wechsel der Jahreszeiten lebt ihn uns vor, aber darin einzuwilligen ist etwas ganz anderes. Der Tod nimmt uns die Menschen, die wir am liebsten haben, und mit ihnen verlieren wir einen kostbaren Teil unseres Lebens. Wir sterben mit und wissen, dass es von an nie mehr so sein wird, wie es einmal war. Wir spüren unsere Vergänglichkeit und darin auch die Sinnlosigkeit allen menschlichen Tuns. Es ist kaum mehr als „Haschen nach Wind“, wie einmal der Prediger Salomo in der Bibel geschrieben hat. Der Tod eines Menschen, der uns verbunden war, kann unser ganzes Leben ins Wanken bringen. Auf einen Schlag ändert sich plötzlich alles und wir müssen wieder ganz von vorne anfangen. Dazu …

Über die Taufe

Nach dem Zeugnis der Heiligen Schrift geschieht in der Taufe die persönliche Zusage der Gnade Gottes. Sie begründet die Zugehörigkeit zu einer christlichen Gemeinde. Wir verstehen das Sakrament der Taufe am besten, wenn wir sie im Zusammenhang mit den vielen Bedrohungen des Lebens sehen. Die Taufe verspricht uns Leben in einer von Zerstörung bedrohten Welt. Wie wir die Kinder aus dem Wasser der Taufe heben, so rettet Gott das Leben und bringt es in Sicherheit. Zugleich wird mit der Taufe die Vergebung der Sünden zugesprochen. Dadurch wird Umkehr symbolisiert. Auch der Vergleich mit einer neuen Geburt legt sich nahe. Im Hinblick auf unsere Kinder möchte ich besonders den Aspekt der Annahme betonen. Zu jeder Taufe gehören die Worte, die uns von Gott im Hinblick auf sein Kind – Jesus – überliefert worden sind: Du bist mein liebes Kind. Du gefällst mir. Auf dieser lebensfreundlichen Haltung kann man aufbauen. Die Taufe hat aber nicht nur einen individuellen Aspekt. Sie schließt auch die Christen untereinander zusammen und verbindet Menschen untereinander als Geschwister. Sie hilft Grenzen zu überschreiten …

Hochzeit in der Kirche

Über die kirchliche Trauung Das Erste, so man an diesem Stande (der Ehe) lernen soll, ist das, dass ein Jeder wisse und gewiss dafür halte, dass der Ehestand von Gott geordnet und gestiftet sei. Das ist fast die höchste Kunst in dem ehelichen Leben, dass man diesen Stand lerne ansehen nach seiner höchsten Ehre; nämlich dass er Gottes Stiftung ist.(Martin Luther) Nach evangelischem Verständnis ist die Ehe kein Sakrament, wie in der katholischen Kirche. Nichts unbedingt heiliges. Martin Luther redet von ihr als einem „Weltlichen Geschäft“. Das schließt natürlich nicht aus, dass sie trotzdem etwas besonderes ist. Martin Luther glaubt, dass sie persönlich von Gott ins Leben gerufen worden sei, so wie die ganze Welt auch. Sie gehört daher zur geschöpflichen Welt, die uns als Gabe zuteil wird und als Aufgabe immer wieder herausfordert. Wenn Sie diese Herausforderung annehmen möchten und die Gaben genießen, finden Sie auf dieser Seite einige Hinweise für die Planung Ihrer Kirchlichen Trauung. Im Rahmen einer kirchlichen Trauung versprechen sich zwei Menschen Liebe und Treue, sich zu achten und zu ehren, …

Unser Gottesdienst

Unser Gottesdienst Im Gottesdienst möchten Menschen mit „Gott“ (wie auch immer sie sich ihn vorstellen) in Verbindung treten. Es geht also um die Auseinandersetzung mit dem, was uns als Menschen heilig ist und um die Begegnung mit dem, was uns unbedingt angeht. Das Wort „Dienst“ deutet an, dass uns das „Heilige“ auch in die Pflicht zu nehmen weiß. Gott zu dienen, bedeutet für mich z. B.: die Ehrfurcht vor dem Leben zu beherzigen, die Schöpfung zu bewahren bzw. zu erhalten, und in den Menschen Schwestern und Brüdern zu sehen. Martin Luther hat in seiner berühmten Torgauer Formel von 1544 über den Gottesdienst gesagt: „das nichts anders darin geschehe, denn dass unser lieber Herr selbst mit uns rede durch sein heiliges Wort, und wir wiederum mit ihm reden durch Gebet und Lobgesang.“ (WA 49,588) Insofern ist der Gottesdienst auch ein kommunikatives Erlebnis, im Grunde ein Gespräch mit Gott und mit uns selbst. Wir erinnern uns an die überlieferten Geschichten der Bibel und in dem wir uns erinnern, werden sie wieder lebendig, und mit ihnen der Geist, …

Das Kirchenjahr

Das Kirchenjahr Kirchenjahr nennt man im Christentum die Abfolge der kirchlichen Feste und Feiertage. Jeder Sonntag hat z. B. im Kirchenjahr ein festgelegtes Motto und einen besonderen Schwerpunkt. So ist z. B. der 2. Sonntag nach Ostern dem „Guten Hirten“ gewidmet, während Epiphanias auf die Heiligen Drei Könige Bezug nimmt und an den Weihnachtsstern erinnert. Das Kirchenjahr unterscheidet sich vom normalen Kalenderjahr, in dem es sich an den christlichen Hauptfesten orientiert. Es beginnt mit dem 1. Advent und endet mit dem Totensonntag. Im Jahreszyklus wiederholt es den Lebenslauf Jesu, sein Leben, Sterben und seine Auferstehung. So werden wichtige Ereignisse der christlichen Heilgeschichte im Kirchenjahr abgebildet und eingeordnet. So steht Weihnachten z. B. für die Geburt Jesu, Karfreitag für den Tod Jesu, und Ostern für die Auferstehung. Der kirchliche Jahreszyklus umfasst: Advent Weihnachten Epiphanias Passion Karfreitag Ostern Himmelfahrt Pfingsten Trinitatis das Erntedankfest der Reformationstag der Buß- und Bettag der Toten- bzw. Ewigkeitssonntag Der Sonntag Der Sonntag erinnert an die Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Hervorgegangen ist er aus dem jüdischen Sabbat, der bis heute am …

Die Heilige Schrift

Die Bibel Die Bibel ist wahrscheinlich das bekannteste Buch der Erde. Sie wurde in über 2000 Sprachen und Dialekte übersetzt. Wenn man die Bedeutung der Bibel betonen möchte, kann man auch vom „Buch der Bücher“ reden. Das Wort „Bibel“ leitet sich von dem griechischen Wort „biblos“ ab und bedeutet „Buch.“ Inhaltlich geht es in der Bibel um menschliche Erfahrungen angesichts Gottes oder des Göttlichen. Wir erfahren wie Gott den Menschen begegnet ist, aber auch wie Menschen Gott gesucht und gefunden haben. Die Begegnung Gottes mit den Menschen hat fast immer dramatische Folgen, die mündlich und später schriftlich weitererzählt worden sind. Irgendwann wurden diese Geschichten gesammelt und aufgeschrieben, und von Generation zu Generation weitergegeben. Aufbau der Bibel Die christliche Bibel hat zwei Teile. Das Alte und das Neue Testament. Die Sprache des Alten Testamentes ist hebräisch. Wir bezeichnen sie deshalb auch oft als hebräische Bibel, oder auch als Bibel des jüdischen Volkes. Zur Zeit Jesu gab es schon eine griechische Fassung der hebräischen Bibel, die sogenannte „Septuaginta“. Sie war die Bibel der griechisch sprechenden Juden im …